Das Uhrenmagazin

Er hat in vielen Fernsehproduktionen mitgespielt. Sein Gesicht ist bekannt. Entsprechend hatte ich mich auf eventuelle Allüren eingestellt — nur um binnen Minuten sehr positiv überrascht zu werden. Michael Fleddermann ist bekannt in der deutschen Schauspielerlandschaft. Vor allem die Hauptrolle in der RTL-Serie „Kalle kocht“ ist dem Publikum heute noch in Erinnerung. Und trotzdem: Michael Fleddermann ist ganz und gar auf dem Boden geblieben. Wir hatten die Ehre, diesen großartigen Schauspieler in Starnberg bei München zu treffen.

„Hallo, ich bin der Michael“

sagt er und streckt der Fotografin und mir breit grinsend die Hand entgegen. Der dreifache Familienvater wirkt entspannt. Im Café erzählt er uns seine Geschichte.

 

Retrograde: Michael, wie bist du zum Schauspiel gekommen?

Fleddermann: „Ich hatte schon immer Interesse am Künstlerischen. Begonnen habe ich ja mit Ballett.“

Retrograde: Wie kam‘s?

Fleddermann: „Wie so oft über Umwege. Eine gute Freundin meiner Mutter hatte eine Tochter, die eine Ballettschule in Starnberg besuchte. Eines Tages war sie verhindert und konnte ihre Tochter nicht abholen. Meine Mutter sprang ein, und ich fuhr als 6- oder 7-Jähriger mit.“

Retrograde: Und du fingst dort sofort an, mitzutanzen?

Fleddermann (lacht): „Nein, das dauerte noch etwas. Ich fand das erstmal doof. Aber irgendwie hatte mich die klassische Musik dort schon gefangen. Da saß ich also und wippte mit dem Fuß im Takt mit. Und irgendwann fiel das natürlich der Ballettlehrerin auf.“

Retrograde: Und von da an…

Fleddermann:  …machte ich mit, ja. Drei Jahre lang regelmäßig. Und als ich dann zehn war, wechselte ich zur Heinz-Bosl-Stiftung in München, eine bekannte Stiftung, die junge Nachwuchstalente im Ballett fördert.

Retrograde: Was hat dich am Tanzen so fasziniert?

Fleddermann: „Die Freiheit der Bewegung, der Ausdruck, die Musik. Eigentlich alles.“

Retrograde: Du hattest ja dann erste Engagements am Nationaltheater in München.

Fleddermann: „Genau, und natürlich großartige Lehrer wie beispielsweise Constanze Vernon.“

Retrograde: „Wann hast du dich dann dazu entschlossen, vom Ballett ins Schauspiel zu wechseln?“

Fleddermann: „Gefallen hatte mir das ja schon immer. Aber das dauerte noch, bis ich mich endlich traute. Mit 15 hörte ich auf zu tanzen und brach dann mit 17 das Gymnasium ab.“

Retrograde: Warum?

Fleddermann: „Ich hatte keine Lust mehr auf das Eingepferchte, Geregelte, Fremdbestimmte. Ich wollte mein eigener Herr sein und über mein Leben selbst bestimmen.“

Michael Fleddermann

Michael Fleddermann

Retrograde: Nachdem du die Schule abgebrochen hattest, wie ging‘s da weiter?

Fleddermann (lacht): „Ich ging erst mal zur Marine. Da blieb ich vier Jahre. Und danach besuchte ich das Münchner Schauspielstudio.“

Retrograde: Mit dem Ballett hattest du da abgeschlossen?

Fleddermann: „Ja. Und als ich „Club der toten Dichter“ zum ersten Mal gesehen hatte, war es klar, dass meine Zukunft in der Schauspielerei lag.“

Retrograde: Was reizt dich daran?

Fleddermann: „Vieles. Zuerst mal die Freiheit, immer Kind zu sein. Immer in verschiedene Rollen zu schlüpfen und einen Teil des gespielten Charakters aus mir selbst herauszukehren.“

Retrograde: Das stelle ich mir anstrengend vor.

Fleddermann: „Ist es auch. Deshalb ist es für uns Schauspieler wichtig, Ausgleiche zu schaffen. Beispielsweise durch Mentaltechniken oder einfach durch Auszeiten. Auszeiten sind enorm wichtig.“

Retrograde: Du bist des öfteren auf Tournee.

Fleddermann: „Ja, und da bin ich manchmal monatelang unterwegs, und meine Frau ist mit den Kindern zuhause. Deshalb ist es umso wichtiger, Prioritäten zu setzen.

Retrograde: Stichwort Zeit — welche Verbindung hast du zu Uhren?

Fleddermann: Oh, eine innige! Uhren haben mich schon immer fasziniert. Von mir selbst würde ich behaupten, ich hätte einen Uhrentick.

Michael Fleddermann mit seiner Chrono Diamond Furia

Michael Fleddermann mit seiner Chrono Diamond Furia

Retrograde: Wie kommt‘s?

Fleddermann: Warum mir Uhren so gefallen, weiß ich nicht so genau. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass ich mit 14 meine erste Uhr überhaupt geschenkt bekam; das war eine Taschenuhr von meinem Onkel.

Retrograde: Wann hast du das erste Mal bemerkt, dass du einen „Uhrentick“ hast, wie du sagst?

Fleddermann: Das war, als ich im zarten Alter von 24 Jahren zum ersten Mal nach New York flog. Dort gab es damals eine Marke mit ganz unglaublich vielen verschiedenen Modellen, und eins gefiel mir besser als das andere. Irgendwann bin ich dann mit 45 Uhren aus dem Laden gegangen. Und habe die sogar durch den Zoll gebracht. Wie ich das gemacht habe, weiß ich bis heute nicht.

 

Wir bedanken uns bei Michael Fleddermann für dieses Interview und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg.